Die literarische
Epoche des Symbolismus begann etwa 1890. Ihre Wurzeln sind in den gesellschaftlichen Umwälzungen und historischen Ereignissen des 19. Jahrhunderts zu suchen, z. B. der
Industrialisierung, dem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt und der Entstehung des
Materialismus und philosophischen
Positivismus. Mit der Zeit machte sich der Verzicht auf abstrakte Werte und idealistisch-ästhetische Empfindungen auch in der Literatur bemerkbar, hauptsächlich im
Realismus und im
Naturalismus. Doch das neu entstandene rationalistische Weltbild war kein einheitliches und wurde durch zahlreiche Entdeckungen in den Bereichen der
Mathematik und
Physik, z. B.
Röntgenstrahlen,
Radioaktivität und wenig später der
Relativitätstheorie, immer wieder in Frage gestellt. Diese Krise des positivistischen Weltbilds und der herkömmlichen Religion und Moral sowie die Auffassung der Welt als etwas unzulänglich Erfasstes führte zusammen mit der Aufbruchsstimmung der
Fin-de-Siècle-Kultur zu der Suche nach neuen Entfaltungsmöglichkeiten.